Wenn Charaktere sich selbständig machen

Wenn Charaktere sich selbständig machen

Wahrscheinlich kennst du diese Situation auch … Du sitzt am Computer, schreibst gerade eine spannende Konfliktsituation zwischen deinem Protagonisten und dem Antagonisten. Die Situation ist angespannt und dein Hauptdarsteller muss handeln, um zu überleben. Schliesslich ist das seine Aufgabe, da er ja am Ende der Geschichte als Held dastehen soll.

Du siehst das Ende bereits vor deinem Innern Auge …

… doch dann geschieht es …

Du bemerkst, dass der Hauptdarsteller ein «Eigenleben» entwickelt und die Situation ganz anders angehen will. Das heisst, du erkennst, dass der Protagonist anders reagiert und den Konflikt nicht wie geplant überwinden kann. Es liegt einfach nicht in seiner Natur, das zu tun, was du von ihm willst. Der Charakter sträubt sich plötzlich gegen dich, dabei war er vorher doch so handzahm und tat immer das, was du verlangtest.

Was ist geschehen?

Ich kenne diese Situation gut, denn an diesem Punkt stand auch ich. Als es mir passierte, klopfte ich mir sogar imaginär auf die Schulter. Ich fand sogar, ich sei unglaublich kreativ und würde meine Charaktere super gut verstehen – schliesslich hatte ich erkannt, dass mein Protagonist den geplanten Konflikt plötzlich anders meistern will. Ja, ich war sogar echt stolz auf mich…

Doch ganz ehrlich… wenn deine Protagonisten plötzlich einen anderen Weg einschlagen, als du für sie vorsahst, hast du einen Fehler gemacht!

Du findest das nicht? – Dann lass es mich erklären. Wie gesagt, nicht vergessen, auch ich musste diesen Fehler zuerst erkennen und lernen wie ich ihn verhindern kann. Dein Vorteil im Gegensatz zu mir ist allerdings, dass es dir jemand erklärt. Das war bei mir nicht der Fall.

Das Zauberwort um diesen Fehler zu verhindern heisst: Strukturiert Schreiben!

Strukturiert zu schreiben bedeutet, die Charaktere vor dem Schreiben der Geschichte, oder spätestens im ersten Kapitel, auszuarbeiten. Damit schaffst du dir ein ganz klares Bild deines Protagonisten. Du kennst seinen Charakter, seine Besonderheiten, Stärken und Schattenseiten. Du kannst es dir so vorstellen, als ob du eine Person, die neu in dein Leben tritt, so richtig gut kennenlernst.

Denn, wenn du deinen Protagonisten wirklich gut kennst, dann weisst du auch wie er auf Konflikte reagiert und dementsprechend handelt. Den »Fehler«, dass er plötzlich einen anderen Weg einschlägt, um das Problem zu lösen, geschieht dann nicht mehr.

Das führt wiederum dazu, dass du nicht gezwungen bist, deine bereits geschriebenen Kapitel oder deinen weiteren Plot anpassen – denn genau das geschieht, wenn der Charakter plötzlich ein Eigenleben entwickelt. Du musst etwas ändern, sonst stimmt die ganze Logik der Geschichte nicht mehr.

In meinem Fall war es sogar so, dass ich ein anderes Ende wählen musste – besser gesagt, ich schrieb es drei Mal, da der ursprüngliche Schluss nicht mehr passte und ich damals auch, im Nachhinein gesehen, etwas planlos war, wie meine Geschichte nun tatsächlich enden soll.

Noch eine Anmerkung: Nachträgliche Änderungen bedeutet nicht automatisch, dass der Schluss oder Plot nun schlechter ist als ursprünglich geplant, es bedeutet lediglich, dass du viel mehr Zeit brauchst, um Änderungen vorzunehmen. In meinen Fall war das Ende viel besser als das ursprünglich. Ich verschwendete allerdings viele zu viele wertvolle Zeit dafür.

Sei aber nicht entmutigt, wenn du bis jetzt deine Geschichten so geschrieben hast. Ich dachte auch lange, dass ich ohne gute Vorbereitung klarkomme. Ich sage nicht, dass es nicht auch ohne geht. Es ist lediglich eine grosse Fehlerquelle. Du musst vor allem bei der Nachbearbeitung besonders gut aufpassen, dass wirklich alles gut zusammenpasst, die Logik stimmt, der Charakter so agiert damit die Leser die Situation nachvollziehen können und wirklich nichts vergessen wird. Klingt irgendwie recht anstrengend, nicht? Warum dann nicht einfach den einfacheren, besseren Weg wählen?

Seit ich meine Protagonisten wirklich gut strukturiere, weiss ich zu jeder Zeit genau, was sie denken und wie sie handeln. Probiere es am besten gleich aus – egal ob du mitten in einer Geschichte steckst oder erst am Anfang. Dein kleiner Mann im Ohr wird dir wahrscheinlich zuflüstern, dass du wertvolle Zeit vergeudest, in dem du den Steckbrief der Protagonisten entwirfst und du diese Zeit viel besser fürs Schreiben nutzen solltest. Ich hatte diesen Mann im Ohr auch. Ich hörte oft auf ihn. Doch an dem Tag, als ich es nicht tat und meine Art zu Schreiben änderte, bemerkte ich, wie viel schneller ich schreibe, da ich nicht ständig überlegen musste, wie der Protagonist handelt. Ich hatte mir die Zeit genommen, ihn zu kreieren. Ja, seine Art zu agieren war mir so vertraut geworden, dass ich während dem Schreibprozess keine wertvollen Minuten vergeudete, sondern sofort beschreiben konnte, wie er den Konflikt bewältigt.

Noch einmal: Gute Vorbereitung hilft dir, deine Geschichte so zu schreiben, wie du sie geplant hast und verhindert durch Plot oder Kapitel -Änderungen zusätzliche Logikfehler. Zudem verlierst du nicht wertvolle Zeit sondern kommst sogar noch schneller voran.

Also, gute Vorbereitung ist das A und O um effizient und strukturiert zu schreiben.

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Viel Spass beim Schreiben und … sei kreativ!